Fachverband für Goju-Ryu Karate
Über uns
Wir betreiben und lehren den offiziellen Goju-Ryu Karate Stil des japanischen Karate- verbandes JKF Goju-Kai und sind offizielle Stilrichtung im Deutschen Karateverband (DKV).
Michaela Schubert     Freitag, 12. August 2016    

Verlasse nie eine geteerte Straße

Und schon gar nicht, wenn du mit einem Caravan unterwegs bist

Für einige Karateka begann am 23.07.2016, auf dem weitläufigen Grundstück von Stanko Kumer (7.Dan JKF Goju-Kai sowie GJKF Cheftrainer & Präsident und Cheftrainer aller Kenbukan Außenstellen) in Zalaujlak (Ungarn) die schönste Zeit des Jahres – der Sommerurlaub. Die Anreise stellte sich für eine sächsische Familie als gar nicht so einfach heraus, obwohl Ungarn über ein gut ausgebautes Straßennetz verfügt. Das Navi war allerdings der Ansicht, dass die Bevölkerung Ungarns noch immer mit Pferdekutschen unterwegs ist und alle asphaltierten Wege unweigerlich im Wald enden müssen. Somit lenkte es Familie Schubert, samt Wohnanhänger, zielsicher in den ungarischen Forst.

Mitten im Gestrüpp, laut Navi nur fünf Minuten von Zalaujlak entfernt, tat sich auf einmal eine große Schlammpfütze auf. Selbst mit Anlauf war kein Durchkommen möglich. Im Buschwerk jagten Wilderer laut schießend ihre Beute. Der Handyempfang tendierte zu sehr schwach und sobald man einen Fuß aus dem Auto setzen wollte, versank man im Morast. Höllenszenario, es fehlte nur noch der schwefelhaltige Nebel.

Nun war guter Rat teuer. Gegen 22 Uhr erhielt Stanko eine WhatsApp-Nachricht: „Wir stecken im Wald fest.“ Nach einigen Telefonaten und immer wiederkehrendes Hupen, wurde die festgefahrene Familie gefunden. Fassungslos über den Mut, in der ungarischen Dunkelheit dem Navi Glauben zu schenken, wurde die Lage der Hilfebedürftigen analysiert.

Nach dem Motto: „Schubi, i hol di mit meim Traktor ab“ gelang Familie Schubert wieder aus dem Gehölz heraus und siehe da: Es gibt in Ungarn tatsächlich durchgängig asphaltierte Straßen. Bei einem kühlen Bier, klang die abenteuerliche Aufregung mitten in der Nacht ab. GPS-Man was born.

Der nächste Schrecken ließ nicht lange auf sich warten. Der GPS-Man verlor bei seinem ersten Abenteuer sein Handy. Am nächsten Tag fuhren alle, in einem mit Decken ausgelegten Anhänger und Traktor wieder zum Unglücksort, um nach dem Smartphone zu suchen. Im ungarischen Dickicht verschwindet zum Glück nichts. Das Mobiltelefon wurde schnell gefunden und es funktionierte störungsfrei, als wäre nie etwas gewesen.

Die weiteren Tage bis zur gemeinsamen Reise nach Kroatien, verliefen ruhig und entspannt. Mit Baden im Balaton, Landschaftspflege und kleinere Hausmeistertätigkeiten, vertrieb sich jeder die Zeit. Stanko belud währenddessen seine Anhänger mit weiteren Utensilien für Kroatien, die in Ungarn gelagert waren. Bei gutem Wein und leckeren Essen beim Verwalter wurde abends viel gelacht und so manche Lebensepisode zum Besten gegeben.

Am 28.07.2016, morgens drei Uhr, ging es weiter nach Kroatien. Sicherheitshalber in Kolonne, damit Familie Schubert nicht wieder in irgendeinen abgelegenen Wald abhandenkommt. Denn ein Traktor wäre diesmal nicht so schnell zur Hand gewesen. Selbst bei Freizeitaktivitäten kommt beim Goju-Kai Karate ein rücksichtsvoller Umgang in der Gemeinschaft nicht zu kurz.

Die Sonne knallte erbarmungslos, als Stanko, Alex Schwarz (2. Dan, Neutraubling), Theresa Bartko (1. Dan, Neutraubling) und Ronny Schubert (2. Dan, Ehrenfriedersdorf) das Karatecamp auf Zeljkos Grundstück in Karin (Kroatien) vollzählig und mit ihren jeweiligen Partnern bzw. Familienangehörigen erreichten. Zuerst baute jeder sein eigenes Domizil für die kommenden zehn Tage auf. Im Anschluss halfen alle tatkräftig mit, das Gemeinschaftszelt sowie andere Notwendigkeiten auf Vordermann zu bringen.

Zeljko Topalovic (4. Dan) vervollständigte am Nachmittag mit seiner Familie das Camp. Erst am Sonntag gesellten sich Markus (5. Dan, Neutraubling) und Monika Kumer, sowie Michael Päßler (3. Dan und Kampfrichterreferent, Chemnitz) inklusive Sohn Oliver dazu. Daniel Schmidt (3. Dan, Chemnitz) war ohne Kind und Kegel, aber dafür samt Hund mit von der Partie. Einem ereignisreichen Urlaub stand nichts im Wege, nicht mal ein Wald oder gar ein Schlammloch.

Auch in diesem Jahr blieb jedes Pärchen bzw. Familie einen Tag im Camp, um die Mahlzeiten zuzubereiten, Lebensmittel zu besorgen und die Überwachung des Grundstückes zu gewährleisten. Der Rest erfrischte sich entweder den lieben langen Tag in der Adria oder erkundete die Einkaufsmeilen in Zadar sowie die Winnetou trächtigen Wasserfälle im Nationalpark Krka.

Wie schon in Ungarn, rief Stanko morgens um acht: „Früüüüühstück!“ Müde und muntere Gesichter gesellten sich jeden Tag um die gleiche Uhrzeit an den reich gedeckten Frühstücks-tisch. Gut gestärkt und endgültig wach, konnten die jeweiligen Unternehmungen beginnen. Sei es mit dem aufgeblassen Fun-Sessel über das Wasser zu schweben, oder mit dem Wakeboard die Bucht unsicher zu machen. Eine Bootsfahrt zum gegenüberliegenden Ufer, um leckeres Eis oder einen himmlischen Obstsalat zu essen, durfte ebenfalls nicht fehlen. Egal was auch unternommen wurde, die Lachmuskeln hatten immer gut tun.

Nach einem spannenden Tag, folgte der kulinarische Abend. Es konnte ausgiebig geschlemmt und geschmatzt werden. Diesmal wurden erzgebirgische Brutzelmakkaronis, Scampinudeln, gegrillte Kaninchen und Doraden, dalmatinische Peka sowie Knoblauchnudeln serviert. Dazu immer einen frischen Salat und natürlich genügend Bier oder Wein, damit sich der gute Geschmack richtig entfalten konnte. Die Bewertungen der Köche fiel, durch die Bank weg, positiv aus. Wer dachte, man könne in Kroatien etwas abnehmen, lag aber sowas von daneben.

Es herrschte tagein, tagaus eine ausgelassene Stimmung. Das Schöne daran ist, wenn man
mit einer dauerlustigen Gruppe, was die Karateka des Goju-Kai Vereines wahrlich sind, seinen Urlaub verbringt, ist, dass man ganz oft das Gefühl hat, man ist auf Klassenfahrt, oder im Landschulheim und alle um einen herum haben nur Quatsch im Kopf.

Auch der schönste Urlaub hat irgendwann ein Ende. Mit erlebnisreichen Erinnerungen und einer Spur Wehmut trat der Großteil spätestens am 06.08.2016, außer Zeljko und seine Familie, die Heimreise an. Familie Schubert fuhr sicherheitshalber bereits am 05.08.2016 los, um einen kleinen Zeitpuffer zu haben, falls das Navi sie ausversehen nochmal durch das ungarische Schlammloch schickt.

Es waren wieder wunderbare Tage im Kenbukan Karatecamp. Auch im kommenden Jahr sind alle Dojo-Leiter mit ihren Familien in Kroatien herzlich willkommen. Die Termine werden im Januar 2017 rechtzeitig bekanntgegeben. Wer vorher einen Abstecher nach Zalaujlak macht, denkt bitte dran: Egal ob mit oder ohne Caravan, immer auf asphaltierte Straße bleiben.

Abschließend geht ein ganz großes Dankschön vor allem an Stanko und Zeljko. Ohne ihren tatkräftigen Einsatz wäre der tolle Urlaub nicht möglich gewesen. All der Komfort, u.a. in Form von Strom, Kühlschränken, warmes Wasser, Gefriertruhe, motorisiertes Schlauchboot und schwimmende Plattform, sowie das gepflegte Grundstück sind keine Selbstverständlichkeiten. Dahinter steckt harte Arbeit, ein gute Organisation und eine Menge Zeit, was leider durch die heutige Bequemlichkeit ganz schnell übersehen wird. Deshalb, herzlichen Dank dafür.