Fachverband für Goju-Ryu Karate
Über uns
Wir betreiben und lehren den offiziellen Goju-Ryu Karate Stil des japanischen Karate- verbandes JKF Goju-Kai und sind offizielle Stilrichtung im Deutschen Karateverband (DKV).
Michaela Schubert     Montag, 07. Dezember 2015    

Internationaler JKF Goju-Kai / Kenbukan Lehrgang in Neutraubling 2015 „Mach´s mit – mach´s nach – mach´s besser“

Weil das Jahr nicht einfach so zu Ende gehen kann, trafen sich am 28./29.11.2015 über 110 Karateka in Neutraubling zum internationalen Karatelehrgang. Alle karatebegeisterten und hoch motivierten Teilnehmer aus Japan, Deutschland, Nepal, Indien und Iran hatten ein Ziel: Ihre Karatetechniken in vier schweißtreibenden Trainingseinheiten zu verbessern und gemeinsam viel Spaß zu haben.

Zuerst stellte Kyoshi Stanko Kumer (7.Dan JKF Goju-Kai), GJKF Cheftrainer & Präsident und Cheftrainer aller Kenbukan Außenstellen in der Welt den japanischen Kenbukan Cheftrainer Hanshi Nobutaka Tsumoto (8. Dan JKF Goju-Kai) und Kyoshi Naoya Shioji (7. Dan JKF Goju-Kai) vor. Danach hieß er die internationalen Gäste
- Iraj Teymournejad (6. Dan Kenbukan) aus Iran
- Sha Dipak Kumar (3. Dan JKF Goju-Kai) aus Indien
- Yam Kumari Gurung (3. Dan JKF Goju-Kai) genannt Asmita und ihren
Schüler Ram Krishna Tamang Lama (3. Dan JKF Goju-Kai) aus Nepal
- Rahman aus dem Iran
herzlich willkommen.

Anschließend begrüßte Kyoshi Stanko Kumer die nachfolgenden deutschen Co-Trainer.
- Gerd Neuland (5. Dan JKF Goju-Kai Renshi)
- Hagen Neumann (5. Dan JKF Goju-Kai)
- Markus Kumer (5. Dan JKF Goju-Kai)
- André Schmück (5. Dan JKF Kenbukan)
- Zeljko Topalovic (4. Dan JKF Goju-Kai)
- Alexander Buze (4. Dan JKF Goju-Kai)

Nach der Begrüßung ging der Samstagmorgen nahtlos in die übliche Aufwärmphase über, um die letzte Müdigkeit vollends zu vertreiben. Renshi Gerd Neuland wusste genau, was er tat. Mit einer halbstündigen Kenbukan – Standard Erwärmung trieb er allen Sportlern die Schweißperlen auf die Stirn. Als alle Karatekas aus der Puste, aber dafür aufgewärmt waren, übernahm Kyoshi Naoya Shioji die erste Trainingseinheit.
Los ging es mit einer Einweisung in die wichtigsten Stände, um anschließend ins Kihon-Ido überzugehen. Der Sanchin-Dachi, in Kombination mit verschiedenen Grundtechniken, machte den Anfang. Danach wechselten die Teilnehmer in die Kampfstellungen Han-Zenkutsu-Dachi und Shiko-Dachi. Nach gefühlten dreißig Bahnen, unter den fachkundigen Blicken des Kyoshi Naoya Shioji, war die erste halbe Einheit von insgesamt vier geschafft. Alle gönnten sich eine fünfminutige Pause, die größtenteils mit Trinken verbracht wurde, um den Wasserverlust auszugleichen.

In der zweiten Trainingseinheit wurde die Kata Sanchin durch Hanshi Nobutaka Tsumoto und Kyoshi Stanko Kumer in ihre einzelnen Bestandteile zerlegt, um diese ausführlich zu erläutern. Denn: Einerseits spielt das geistige Verständnis für die Sanchin eine wichtige Rolle und anderseits sind die körperlichen Aspekte, wie die richtige Atmung, Körperspannung und -kontrolle, unabdingbar. Nur so können beispielsweise harte Schläge und Tritte absorbiert werden, ohne Schaden zu nehmen. Im Anschluss war genug Zeit, um die Theorie sofort praktisch in den anschließenden Übungen umzusetzen.

Die Kata Tensho gehört neben der Kata Sanchin zu den Basiskatas des Goju-Kai Karates. Deswegen wurde diese im Anschluss ebenfalls detailliert besprochen und in Übungen angewandt. Nachdem die Lektionen zur Sanchin und Tensho erfolgreich beendet waren, teilten sich die Teilnehmer in zwei Gruppen. Hanshi Nobutaka Tsumoto und Kyoshi Stanko Kumer erklärte den Schwarzgurtträgern die feinen Nuancen der Kata Sepai, während die restlichen Farbgurte ihre Saifa, unter Anleitung von Kyoshi Naoya Shioji und Renshi Gerd Neuland verbesserten.
Endlich geschafft! Nach drei Stunden hatten sich alle Teilnehmer und Trainer eine erholsame Mittagspause verdient. Obwohl auch ein voller Karatebauch ungern trainiert, wurde die letzte Tageseinheit mit Sportsgeist in Angriff genommen. Dank einer kurzen Hüpferwärmung unter Anleitung von Markus Kumer konnte sich das Mittagessen einen beschwerdefreien Platz im Magen suchen. Danach stellten sich jeweils fünf Karateka zu einem Kreis zusammen, während sich der sechste wie Häslein in Grube in der Kreismitte befand. Der eingekreiste Teilnehmer sollte sich nun taktisch aus dem Kreis befreien. Nach etlichen verlorenen Schweißperlen, wurde die Aufwärmung mit einem zwei zu eins Kumite abgeschlossen.

Nun hatten alle das Mittagstief überwunden und konnten die nachfolgenden Trainingseinheiten gutgelaunt absolvieren. Bevor Kyoshi Stanko Kumer die Teilnehmer erneut – für jeweils eine Stunde – aufteilte, stand für alle gemeinsam die Standard-Bunkai auf der Agenda. In drei Gruppen wurden die unterschiedlichsten Schwerpunkte trainiert. Die Trainer Renshi Gerd Neuland und Markus Kumer gingen mit den Schwarzgurten ausgiebig die vierthöchste Kata Sepai durch. Alexander Buze übernahm mit Hagen Neumann die Blau- und Braungurte. In dieser Einheit festigten sie ihr Können in der Standard-Bunkai der Saifa und Seiyunchin. Einst wurde die Kata Seiyunchin zur Förderung eines starken und stabilen Standes entwickelt. Schon allein deswegen kommt in ihr öfters der Shiko-Dachi zum Einsatz, den die Blau- und Braungurtträger am Ende der Übung ordentlich in ihren Oberschenkeln spürten. Die restlichen Farbgurte nutzten die Zeit, um sich – mithilfe der Trainer André Schmück und Zeljko Topalovic – in der kraftvoll dynamische Gekisai-Dai-Ichi und Gekisai-Dai-Ni zu verbessern.
An der letzten Samstagseinheit, die aus anderen Bunkai-Variationen bestand, nahmen wieder alle gemeinsam teil. Ausgepowert, aber dafür freudestrahlend, ging der erste sportliche Tagesabschnitt mit einem Fotoshooting zu Ende.

Die Abende sind auch in Neutraubling lang. Um erst gar keine Langeweile aufkommen zu lassen, machten sich die Karateka mit einer Extraportion guter Laune auf den Weg zur berühmt berüchtigten Lehrgangsfete im Gasthaus „Deutsch“ in Barbing. Für reichlich Speis und Trank war gesorgt. Kein Magen blieb leer und keine Kehle trocken. Die Münder bewegten sich aber nicht nur zum Essen oder Trinken. Nein, es wurde auch bis in die frühen Mitternachtsstunden viel erzählt und gelacht.

Am Sonntagmorgen, der sich zeitlich nicht verschieben ließ, brachte Kyoshi Naoya Shioji alle müden Glieder mit einer Standard-Aufwärmung und Sanchin wieder auf Vordermann. Nachdem nun alle munter und taufrisch waren, fanden sich die Teilnehmer erneut zu den bekannten drei Gruppen zusammen. Jede Gruppe zerlegte eine individuelle Kata, die ihren bereits erlernten Fähigkeiten entsprach, in einzelne Bestandteile, um ihr Können in den kataspezifischen Feinheiten zu festigen und auszubauen. Diesmal trainierte Hanshi Nobutaka Tsumoto, Kyoshi Stanko Kumer und Renshi Gerd Neuland mit den Schwarzgurten die Kururunfa. Die zweite Guppe, die aus den Blau- und Braungurten bestand, wurde in der Kata Shisochin von Kyoshi Naoya Shioji, Hagen Neumann und Markus Kumer kompetent begleitet. Auch diesmal kamen die restlichen Farbgurte nicht zu kurz. In ihrer ersten Tageseinheit verbesserten sie sich unter Anleitung von Alexander Buze, André Schmück und Zeljko Topalovic in der Seiyunchin.

Nach einer kurzen Verschnaufpause übernahmen Markus Kumer und Zeljko Topalovic mit Kihon Kumite das Ruder. Während Markus Kumer die verschiedenen traditionellen Variationen der Kihon Kumite-Techniken in der Karateeinheit zeigte, demonstrierte Trainer Zeljko die realitätsbezogenen Angriffe anhand realer Situationen. Die Spezialität des Goju-Kai Karate ist es, dabei die Distanz zwischen den Gegnern eng zu halten. Bei einem Angriff gehen die Karateka eher zum Gegner und in die Situation hinein, statt den Abstand zu vergrößern.
Und zack war schon wieder die Mittagspause da, welche sehr individuell zur Erholung genutzt wurde. Danach mobilisierten alle Teilnehmer sicherheitshalber ihre letzten Kraftreserven und unterwarfen sich der extrem anstrengenden – aber dafür kurzen – Erwärmung, die Hagen Neumann durchführte. Mit einer koordinativen Übung, Seilspringen und einem Kampfspiel, holte er alle Karateka psychisch und physisch in die Trainingseinheit zurück.

Ein letztes Mal teilten Kyoshi Stanko Kumer die große Teilnehmergruppe nach Gürtelgraden auf und trainierten individuelle Katas von Gekisai-Dai-Ichi über Seiyunchin bis hin zur Suparimpai. Nachdem jede Gruppe ihre Trainingseinheit gemeistert hatte, fanden sich alle Karateka zum Sport-Kumite zusammen. Obwohl die Anstrengungen der vergangenen zwei Tage in den meisten Gesichtern nicht zu übersehen war, machten die ausgepowerten Teilnehmer auch in der letzten Karateeinheit eine gute Figur und gaben ihr Bestes. Die Gewissheit, dass allen eine wohltuende Massageeinheit, unter Anleitung von André Schmück, bevorsteht, kitzelte bei jedem wirklich die allerletzten Kräfte heraus.
An dieser Stelle geht ein großes Dankeschön an den Präsidenten Stanko Kumer für die gelungene Organisation des internationalen Karatelehrgangs 2015. Schon jetzt freuen sich alle Trainer und Lehrgangsteilnehmer auf die kommenden Lehrgänge im neuen Jahr.

Geschrieben von GJKF Pressereferentin
Michaela Steudel